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Sensibilisiert, aber entspannt

13. März 2020

Volksstimme vom 13.03.2020

Fußball Wie gehen die Vereine im Jerichower Land mit der Coronavirus-Thematik um?
Der Fußballverband Sachsen-Anhalt hat beschlossen, den Spielbetrieb im Land flächendeckend für zwei Wochen zu unterbrechen. Grund dafür ist die latente Gefahr, die aktuell vom Coronavirus ausgeht. Wir haben uns unter den Clubs im Jerichower Land umgehört, wie sie mit der Thematik umgehen.

Von Björn Richter
Jerichower Land l Das Präsidium des FSA kam am gestrigen Donnerstag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Nachdem der Verband in dieser Woche zunächst eine Mitteilung an die Vereine herausgegeben hatte, laut welcher der Spielbetrieb selbst bei möglichen Infektionsfällen so lange wie möglich aufrecht erhalten werden soll, fiel am Nachmittag die Entscheidung: Die Fußballer in Sachsen-Anhalt – nach aktuellem Stand jene ausgenommen, deren Ligen dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) untergeordnet sind – legen zwei spielfreie Wochenenden ein. Danach soll die Lage neu bewertet werden.

Der Tenor unter den Vereinen im Jerichower Land ist dabei nahezu einhellig: Auf irgendeinen Panik-Zug möchte niemand aufspringen, aber Corona ist auch unter Spielern, Trainern und Fans derzeit Gesprächsthema Nummer eins. So etwa beim SV Lok Jerichow aus der Landesklasse-Staffel I. „Unser Training verläuft derzeit noch ohne Einschränken, aber es lässt natürlich niemanden von uns kalt“, erklärt Vereinsvorsitzender und Trainer Sven Lange und verweist auf die große Sportwelt: „In der Deutschen Eishockey-Liga oder unter Nordamerikas Basketballern in der NBA ist die Saison vorzeitig beendet oder unterbrochen. Von meinen Spielern werden voraussichtlich auch nicht allzu viele für die Europameisterschaft nominiert. Ich sehe also keinen Grund, der dagegen spricht, die Saison zu verlängern und die Spieltage hinten anzuhängen.“

Die Frage nach dem „Wie geht es weiter?“ dürfte in Abhängigkeit von der Entwicklung der Coronavirus-Epidemie über die zwei spielfreien Wochenenden hinaus nämlich noch zu einem Zankapfel werden. Sollte womöglich ein harter Schnitt gemacht und die Saison nach dem gegenwärtigen Tabellenständen beendet werden? Zieht man eher das Bild zur Winterpause heran? Saisonverlängerung oder eine Vielzahl von englischen Wochen, um die Nachholspiele abzufangen?

Dass sich die Verantwortlichen analog zum Profifußball schwer damit tun, eine Lösung anzubieten, die allen gerecht wird, ist aus Sicht von André Hoof nur verständlich. Der Trainer der Heyrothsberger Landesliga-Elf schätzt ein: „Was sollen sie machen? Beenden wir jetzt die Saison und die Ausbreitung des Virus‘ wird gestoppt, heißt es, das sei eine vorschnelle Reaktion gewesen. Machen wir weiter, bis erste Erkrankungen unter den Fußballern in Sachsen-Anhalt vorliegen, ist es unverantwortlich. Ich möchte da keine Entscheidung fällen müssen.“

Auch Trainerkollege Michael Hucke vom Burger BC 08 hält sich zu einer möglichen Patentlösung bedeckt. Intern zählt beim Landesklasse-Team aus der Kreisstadt jedenfalls vor allem die Eigenverantwortung: „Jeder von uns ist durch die Arbeit oder die Situation in den Kitas sensibilisiert. Wenn man eine Prognose wagen will, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Coronavirus auch irgendwann den ersten Fußballer in Sachsen-Anhalt befällt. Aber deshalb gehe ich persönlich trotzdem relativ entspannt mit dem Thema um.“


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